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Innerer Kritiker: Warum wir so streng mit uns selbst sind

Autorenbild: Andrea Kolmitzer
Andrea Kolmitzer
vor 11 Minuten
11 Min. Lesezeit


Kennen Sie das Gefühl, dass Ihre eigenen Leistungen nie ganz ausreichen? Vielleicht haben Sie eine schwierige Aufgabe erfolgreich bewältigt, doch anstatt sich darüber zu freuen, denken Sie bereits darüber nach, was Sie hätten besser machen können. Oder Sie machen einen kleinen Fehler und beschäftigen sich noch lang damit, während Sie Ihre Erfolge kaum wahrnehmen. Hinter solchen Erfahrungen kann sich ein innerer Kritiker verbergen – jener Teil unseres inneren Erlebens, der uns bewertet, antreibt und manchmal unerbittlich mit uns ins Gericht geht.

Ein gewisses Maß an Selbstkritik kann durchaus hilfreich sein. Es hilft uns beim Hinterfragen des eigenen Verhaltens, oder aus unseren Erfahrungen zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Doch wenn die kritische Haltung gegenüber uns selbst überhandnimmt, können Selbstzweifel, Scham und das Gefühl entstehen, niemals gut genug zu sein.

Woher kommt diese innere Strenge? Warum fällt es manchen Menschen so schwer, mit sich selbst nachsichtig zu sein? Und wie können wir einen Umgang mit unserem inneren Kritiker finden, der nicht von ständiger Selbstabwertung geprägt ist?


Inhalt:


Was ist der Innere Kritiker?

Als inneren Kritiker bezeichnen wir in der Psychologie jene selbstkritischen Gedanken und Bewertungen, mit denen wir unser eigenes Verhalten, unsere Fähigkeiten oder sogar unseren Wert als Person beurteilen. Er kann sich als innere Stimme bemerkbar machen, die kommentiert, was wir tun, wie wir uns verhalten oder welchen Eindruck wir auf andere Menschen hinterlassen.

Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige psychische Erkrankung oder eine klar abgegrenzte Persönlichkeitsstruktur. Vielmehr ist der innere Kritiker ein bildhafter Begriff, mit dem sich bestimmte Aspekte unseres inneren Erlebens beschreiben lassen.

Nicht jede kritische Selbstbetrachtung ist problematisch. Wer nach einem Fehler überlegt, was beim nächsten Mal anders gemacht werden könnte, nutzt Selbstkritik zur Orientierung. Belastend wird es vor allem dann, wenn sich die Kritik nicht mehr auf ein bestimmtes Verhalten richtet, sondern die gesamte eigene Person infrage stellt.


Es macht einen Unterschied, ob jemand denkt: „Das ist mir nicht gelungen“ oder „Ich bin einfach unfähig“. Während die erste Aussage eine konkrete Erfahrung beschreibt, wird aus der zweiten eine grundsätzliche Bewertung der eigenen Person.

Wie zeigt sich der Innere Kritiker?

Der innere Kritiker kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen. Manchmal ist er laut und abwertend, manchmal tritt er als scheinbar vernünftige Aufforderung auf, sich mehr anzustrengen oder keine Schwäche zu zeigen.

Typische innere Aussagen können sein:


  • „Das hättest du besser machen müssen.“

  • „Andere schaffen das schließlich auch.“

  • „Du darfst dir keine Fehler erlauben.“

  • „Du bist nicht gut genug.“

  • „Was werden die anderen von dir denken?“

  • „Du solltest dich nicht so anstellen.“

  • „Du musst dich noch mehr bemühen.“


Solche negativen Selbstgespräche treten besonders in Situationen auf, in denen wir uns bewertet, unsicher oder verletzlich fühlen. Das kann im Beruf ebenso der Fall sein wie in Beziehungen oder im Umgang mit dem eigenen Körper.


Vielleicht haben Sie nach einem Gespräch das Gefühl, etwas Unpassendes gesagt zu haben, und gehen die Situation immer wieder gedanklich durch. Oder Sie erhalten Anerkennung für Ihre Arbeit, können das Lob jedoch kaum annehmen, weil Ihnen sofort einfällt, was noch nicht gelungen ist.


Der innere Kritiker kann auch dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse infrage stellen. Wer beispielsweise eine Grenze setzen möchte, hört innerlich möglicherweise: „Sei nicht so egoistisch“ oder „Du enttäuschst die anderen“.


Selbstkritik, Selbstzweifel und Selbstwertgefühl


Ein ausgeprägter innerer Kritiker kann eng mit dem eigenen Selbstwertgefühl verbunden sein. Wer sich selbst ständig bewertet und dabei vor allem die eigenen Schwächen wahrnimmt, entwickelt möglicherweise ein Selbstbild, das stark von Unzulänglichkeit und Selbstzweifeln geprägt ist.


Besonders belastend kann es werden, wenn der eigene Wert von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht wird: von beruflichem Erfolg, Anerkennung durch andere, dem eigenen Aussehen oder der Fähigkeit, Erwartungen zu erfüllen.


Dann wird ein Fehler nicht nur als unangenehme Erfahrung erlebt. Er kann das Gefühl auslösen, als Mensch nicht zu genügen.


Menschen mit einem ausgeprägten inneren Kritiker können Schwierigkeiten haben, positive Erfahrungen in ihr Selbstbild zu integrieren. Anerkennung wird möglicherweise heruntergespielt, während Fehler besonders viel Aufmerksamkeit erhalten.

Das kann zu einem Kreislauf führen: Selbstzweifel verstärken die innere Kritik, und die innere Kritik nährt wiederum die Selbstzweifel.


Wenn selbst Erfolge nicht überzeugen: Das Impostor-Syndrom


Eine besondere Form von Selbstzweifeln zeigt sich beim sogenannten Impostor-Syndrom, auch Hochstapler-Phänomen genannt.


Menschen, die dieses Phänomen erleben, haben Schwierigkeiten, ihre Erfolge den eigenen Fähigkeiten zuzuschreiben. Obwohl sie gute Leistungen erbringen, befürchten sie, irgendwann als vermeintlich inkompetent entlarvt zu werden.


Erfolge werden dann beispielsweise mit Glück, Zufall oder besonders großer Anstrengung erklärt. Die eigenen Fähigkeiten erscheinen dagegen weniger überzeugend.


Das Impostor-Syndrom ist keine eigenständige psychiatrische Diagnose. Es beschreibt ein psychologisches Erlebensmuster, das unter anderem mit Selbstzweifeln und ausgeprägter Selbstkritik verbunden sein kann.



Welche Inneren Kritiker gibt es?


Der innere Kritiker zeigt sich nicht bei allen Menschen auf dieselbe Weise. In der psychologischen Literatur und Beratungspraxis werden unterschiedliche Erscheinungsformen beschrieben. Eine allgemeingültige wissenschaftliche Einteilung gibt es allerdings nicht.


Die folgenden Formen dienen deshalb vor allem dazu, unterschiedliche Erfahrungen mit Selbstkritik verständlicher zu machen.


Der Perfektionist


Der perfektionistische innere Kritiker stellt besonders hohe Ansprüche. Gute Leistungen reichen selten aus, weil immer noch etwas verbessert werden könnte. Fehler werden nicht als selbstverständlicher Teil menschlichen Handelns erlebt, sondern als persönliches Versagen.


Perfektionismus und ein ausgeprägter innerer Kritiker können sich gegenseitig verstärken. Wer sehr hohe Ansprüche an sich stellt, findet häufig Gründe, mit der eigenen Leistung unzufrieden zu sein. Der innere Kritiker wiederum kann dazu beitragen, dass die Erwartungen an sich selbst immer weiter steigen.


Dabei geht es nicht nur um den Wunsch, etwas gut zu machen. Belastender Perfektionismus kann mit der Befürchtung verbunden sein, durch Fehler an Wertschätzung, Anerkennung oder Zugehörigkeit zu verlieren.


Manche Menschen versuchen deshalb, sich durch besonders gute Leistungen abzusichern. Andere vermeiden Aufgaben oder Entscheidungen, weil sie Angst haben, den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden.


Der Antreiber


Diese Form des inneren Kritikers vermittelt das Gefühl, ständig etwas leisten zu müssen. Ruhe, Pausen oder Zeit für eigene Bedürfnisse können mit Schuldgefühlen verbunden sein.


Betroffene erleben sich möglicherweise nur dann als wertvoll, wenn sie produktiv sind und Erwartungen erfüllen. Selbst nach einem anstrengenden Tag bleibt das Gefühl zurück, nicht genug getan zu haben.


Der innere Richter


Der innere Richter bewertet nicht nur einzelne Handlungen, sondern die eigene Person. Er vergleicht, verurteilt und stellt den persönlichen Wert infrage.


Während andere Menschen für ihre Fehler Verständnis erhalten, gelten für die eigene Person besonders strenge Maßstäbe. Was bei anderen als menschlich angesehen wird, erscheint bei sich selbst als unverzeihliche Schwäche.


Der angepasste Kritiker


Manchmal äußert sich Selbstkritik vor allem in der Sorge, andere Menschen zu enttäuschen oder ihre Erwartungen nicht zu erfüllen. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse treten dabei in den Hintergrund.


Hinter dieser Form kann die Überzeugung stehen, dass Zugehörigkeit und Anerkennung davon abhängen, möglichst wenig Anlass zu Kritik zu geben.


Diese Erscheinungsformen können sich überschneiden und je nach Lebenssituation unterschiedlich stark hervortreten. Entscheidend ist weniger, welcher Kategorie sich jemand zuordnen lässt, sondern welche persönliche Bedeutung die innere Kritik hat.




Woher kommt der Innere Kritiker?

Die Art, wie wir mit uns selbst umgehen, entwickelt sich mit den Erfahrungen, die wir machen. Insbesondere frühe Beziehungen können beeinflussen, wie wir uns selbst wahrnehmen, welche Erwartungen wir an uns stellen und wie wir auf eigene Fehler reagieren.

Kinder sind fundamental auf die Zuwendung und Unterstützung ihrer Bezugspersonen angewiesen. Gleichzeitig lernen sie durch die Reaktionen ihrer Umwelt, welches Verhalten erwünscht ist und welche Gefühle oder Bedürfnisse möglicherweise auf Ablehnung stoßen.

Erlebt ein Kind beispielsweise wiederholt, dass es vor allem für gute Leistungen gelobt wird, könnte es daraus folgern, dass Anerkennung durch Leistung verdient werden müsse. Wird es häufig kritisiert oder mit anderen verglichen, kann es beginnen, die Bewertungen seiner Umgebung zu übernehmen.


Aus ursprünglich äußeren Erwartungen können so innere Maßstäbe entstehen, an denen sich ein Mensch auch im Erwachsenenalter orientiert.


Wenn Wertschätzung an Bedingungen geknüpft ist

Der Psychologe und Psychotherapeut Carl Rogers, Begründer des personzentrierten Ansatzes, beschäftigte sich intensiv mit der Entwicklung des Selbstkonzepts. Darunter versteht man die Vorstellungen und Bewertungen, die ein Mensch über sich selbst entwickelt.


Nach Rogers können Schwierigkeiten entstehen, wenn Menschen bestimmte Erfahrungen, Gefühle oder Bedürfnisse nicht mit ihrem Selbstbild vereinbaren können.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten Bedingungen der Wertschätzung. Gemeint ist die Erfahrung, dass Anerkennung oder Zuwendung an bestimmte Erwartungen geknüpft erscheint.


Ein Kind könnte beispielsweise lernen: „Ich werde geschätzt, wenn ich brav bin, gute Leistungen erbringe oder keine Schwierigkeiten mache.“

Mit der Zeit kann daraus eine innere Forderung werden: „Ich muss alles richtig machen, um wertvoll zu sein.“


Solche Überzeugungen können auch dann bestehen bleiben, wenn die ursprünglichen Bezugspersonen längst keinen Einfluss mehr auf den Alltag haben. Der innere Kritiker kann gewissermaßen die Aufgabe übernehmen, darüber zu wachen, dass die verinnerlichten Erwartungen weiterhin erfüllt werden.


Diese Form der Selbstkritik kann als Ausdruck eines Selbstkonzepts verstanden werden, das stark von übernommenen Erwartungen und Bewertungen geprägt ist. Eigene Gefühle und Bedürfnisse können dadurch in Widerspruch zu dem geraten, was ein Mensch glaubt, sein oder leisten zu müssen.


Allerdings lässt sich ein ausgeprägter innerer Kritiker nicht grundsätzlich auf die Kindheit oder das Verhalten der Eltern zurückführen. Auch spätere Beziehungserfahrungen, gesellschaftliche Leistungsanforderungen und persönliche Lernerfahrungen können eine Rolle spielen.


Selbstkritik als Selbstschutz?


So widersprüchlich es zunächst erscheinen mag: Selbstkritik kann auch den Versuch darstellen, sich vor unangenehmen Erfahrungen zu schützen.


Wer sich selbst besonders streng beurteilt, versucht möglicherweise, Kritik von außen zuvorzukommen. Wer keine Fehler zulässt, möchte vielleicht vermeiden, erneut beschämt oder zurückgewiesen zu werden. In diesem Sinne kann der innere Kritiker als eine Form der Anpassung verstanden werden, die unter bestimmten Lebensbedingungen einmal sinnvoll erschienen ist. Eine strenge innere Forderung kann beispielsweise mit dem Wunsch nach Sicherheit, Anerkennung oder Zugehörigkeit verbunden sein.


Ein Mensch, der sich selbst ständig antreibt, möchte vielleicht vermeiden, erneut als ungenügend erlebt zu werden. Die innere Kritik kann dann den Versuch darstellen, etwas zu verhindern, das früher mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden war.


Das bedeutet nicht, dass jede Selbstkritik eine Schutzfunktion haben muss. Es eröffnet jedoch eine andere Perspektive: Statt die eigene innere Strenge ausschließlich als Problem zu betrachten, kann es hilfreich sein, nach ihrer Entstehung und persönlichen Bedeutung zu fragen.


Wie geht man mit dem Inneren Kritiker um?


Es ist verständlich, dass Sie Ihren inneren Kritiker überwinden oder endlich zum Schweigen bringen möchten. Der Wunsch ist nachvollziehbar, besonders wenn die Selbstkritik über lange Zeit belastend geworden ist.


Doch der Versuch, bestimmte Gedanken oder Gefühle vollständig zu unterdrücken, führt nicht unbedingt zu einem wertschätzenden Umgang mit sich selbst.


Aus personzentrierter Perspektive geht es deshalb weniger darum, den inneren Kritiker zu bekämpfen. Vielmehr kann es hilfreich sein, ihn als einen Aspekt des eigenen Erlebens wahrzunehmen und seine Bedeutung zu verstehen.


Den inneren Kritiker erkennen und verstehen


Ein erster Schritt kann darin bestehen, aufmerksam zu werden, wann und in welchen Situationen sich der innere Kritiker meldet.


Ist er besonders stark, wenn Sie Fehler machen? Wenn Sie sich mit anderen vergleichen? Oder wenn Sie versuchen, eigene Bedürfnisse gegenüber anderen Menschen zu vertreten?

Manchmal wird erst durch diese bewusste Wahrnehmung deutlich, wie selbstverständlich die eigene Selbstabwertung geworden ist.


Statt einen selbstkritischen Gedanken sofort zu widerlegen, kann es hilfreich sein, sich zu fragen, welche Erfahrung oder Befürchtung dahintersteht.


Was wäre so schlimm daran, einen Fehler zu machen? Was würde es für Sie bedeuten, Erwartungen nicht zu erfüllen? Und welche Gefühle entstehen, wenn Sie sich vorstellen, weniger streng mit sich zu sein?


Solche Fragen sind nicht als Übungen mit einem bestimmten Ergebnis gedacht. Sie können vielmehr einen Raum eröffnen, in dem die persönliche Bedeutung der Selbstkritik deutlicher wird.


Den inneren Kritiker zum Schweigen bringen – geht das?


Wenn wir den inneren Kritiker ausschließlich als störend oder schädlich betrachten, besteht die Gefahr, dass wir auch diesen Teil unseres Erlebens ablehnen.

Damit kann sich eine bereits vertraute Dynamik fortsetzen: Wir kritisieren uns dafür, dass wir so selbstkritisch sind.


Vielleicht zeigt sich hinter der strengen Stimme die Angst, nicht zu genügen. Vielleicht steht sie mit dem Wunsch nach Anerkennung, Sicherheit oder Zugehörigkeit in Verbindung.


Solche Zusammenhänge lassen sich nicht von außen allgemeingültig bestimmen. Welche Bedeutung der innere Kritiker tatsächlich hat, kann nur aus dem persönlichen Erleben eines Menschen heraus verstanden werden.


Den inneren Kritiker zu integrieren bedeutet nicht, seinen Bewertungen zuzustimmen. Es bedeutet vielmehr, auch diesen Aspekt des eigenen Erlebens als Teil der persönlichen Geschichte anzuerkennen, ohne sich vollständig mit ihm identifizieren zu müssen.


Selbstmitgefühl und Selbstakzeptanz entwickeln


Selbstmitgefühl bedeutet, dem eigenen Leiden und den eigenen Schwierigkeiten mit Verständnis und Freundlichkeit zu begegnen. Das heißt nicht, Fehler zu ignorieren oder auf persönliche Entwicklung zu verzichten. Es bedeutet, die eigene Person auch dann nicht grundsätzlich abzuwerten, wenn etwas misslingt.


Vielleicht fällt es Ihnen leichter, einem anderen Menschen Verständnis entgegenzubringen als sich selbst. Diese Beobachtung kann ein Ausgangspunkt sein, um die eigenen inneren Maßstäbe zu hinterfragen.


Selbstakzeptanz bedeutet dabei nicht, mit allem zufrieden sein zu müssen. Vielmehr geht es um die Möglichkeit, eigene Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen, ohne sie sofort zu beurteilen.


Das Selbstwertgefühl zu stärken bedeutet deshalb nicht unbedingt, sich selbst häufiger zu loben oder ausschließlich positiv über sich zu denken. Es kann vielmehr darum gehen, den eigenen Wert weniger stark von einzelnen Leistungen und Bewertungen abhängig zu machen.


Die eigene Erfahrung ernst nehmen


In der personzentrierten Beratung steht das persönliche Erleben des Menschen im Mittelpunkt. Nicht eine äußere Vorstellung davon, wie jemand sein sollte, ist entscheidend, sondern das zunehmende Verständnis für die eigene Erfahrung.


In der Arbeit mit inneren Anteilen wird manchmal zwischen dem kritisierenden und dem kritisierten Teil des Erlebens unterschieden. Während der innere Kritiker Forderungen stellt oder Vorwürfe macht, kann sich auf der anderen Seite ein Gefühl von Hilflosigkeit, Traurigkeit oder Scham zeigen.


Diese unterschiedlichen Seiten werden nicht immer als eigenständige Stimmen erlebt. Oft sind sie zunächst nur als Gedanken, Gefühle oder körperliche Reaktionen wahrnehmbar.

Manchmal kann bereits die Erfahrung, mit widersprüchlichen oder unangenehmen Gefühlen angenommen zu werden, eine neue Sicht auf sich selbst ermöglichen.


Ein verständnisvollerer Umgang mit dem inneren Kritiker entsteht dabei nicht zwangsläufig durch bestimmte Techniken. Er kann sich auch im Prozess entwickeln, sich selbst besser kennenzulernen und den eigenen Erfahrungen mehr Raum zu geben.

Der innere Kritiker ist nicht grundsätzlich unser Gegner. Er kann Ausdruck verinnerlichter Erwartungen, früherer Erfahrungen oder des Versuchs sein, sich vor Ablehnung und Enttäuschung zu schützen.


Ein freundlicherer Umgang mit sich selbst bedeutet nicht, keine Ansprüche mehr zu haben oder sich nicht weiterentwickeln zu wollen. Er kann vielmehr ermöglichen, die eigene Person auch unabhängig von Leistung, Fehlern und den Erwartungen anderer als wertvoll zu erleben.


Ein verständnisvollerer Umgang mit sich selbst


Wenn Sie das Gefühl haben, dass Selbstkritik und hohe Erwartungen an sich selbst Ihren Alltag belasten, kann psychologische Beratung Raum bieten, die eigenen Erfahrungen und inneren Ansprüche besser zu verstehen.

In einem kostenfreien Erstgespräch können Sie Ihr Anliegen und Ihre Fragen besprechen.

Informationen zu Ablauf und Kosten hier.




Häufige Fragen zum Inneren Kritiker


Welche inneren Kritiker gibt es?


Der innere Kritiker kann sich beispielsweise als Perfektionist, Antreiber, innerer Richter oder als stark an den Erwartungen anderer orientierter Anteil zeigen. Diese Formen sind keine wissenschaftlich festgelegten Persönlichkeitstypen, sondern beschreiben unterschiedliche Arten von Selbstkritik. Sie können sich überschneiden und bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sein.


Wie geht man mit dem inneren Kritiker um?


Ein möglicher Umgang besteht darin, selbstkritische Gedanken zunächst bewusst wahrzunehmen und ihre persönliche Bedeutung zu verstehen. Statt den inneren Kritiker zu bekämpfen, kann es hilfreich sein, nach den Gefühlen, Bedürfnissen und Erfahrungen zu fragen, die mit der Selbstkritik verbunden sind. Selbstakzeptanz und Selbstmitgefühl können dabei eine wichtige Rolle spielen.


Was sagt der innere Kritiker?


Typische Aussagen sind beispielsweise „Du bist nicht gut genug“, „Das hättest du besser machen müssen“ oder „Du darfst keine Fehler machen“. Der innere Kritiker kann sich jedoch auch subtiler zeigen, etwa durch ständige Vergleiche, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten oder das Gefühl, den Erwartungen anderer nicht zu entsprechen.


Was sind innere Anteile in der Psychologie?


Innere Anteile beschreiben unterschiedliche Seiten unseres psychischen Erlebens, die mit eigenen Gefühlen, Bedürfnissen oder Einstellungen verbunden sein können. In verschiedenen psychologischen und psychotherapeutischen Ansätzen werden sie auch als innere Figuren, innere Stimmen, Partial-Egos oder Selbstkonfigurationen bezeichnet.

Dabei handelt es sich um Modelle, nicht um tatsächlich voneinander getrennte Persönlichkeiten. Innere Anteile müssen auch nicht als Figuren oder Stimmen erlebt werden.

Der innere Kritiker zeigt sich beispielsweise häufig als kritischer Gedanke oder innerer Kommentar. Ein verletzlicher, manchmal als inneres Kind bezeichneter Anteil kann dagegen eher durch Gefühle wie Traurigkeit oder Hilflosigkeit sowie durch körperliche Empfindungen, Mimik und Körperhaltung zum Ausdruck kommen.

Entscheidend ist nicht, Menschen bestimmten inneren Figuren zuzuordnen, sondern ihr individuelles Erleben besser zu verstehen.







 
 
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